Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten

Interview mit Maria Nikolai I

~ Part 1 ~

Das Schreiben und eine kleine Vorgeschichte zur Familiensaga Die Schokoladenvilla

©Maria Nikolai

Zwischen aufbrausenden Familiengeschichten, ungeahnten Zuneigungen und der genussvollen Herstellung Stuttgarter Schokolade. Das Schicksal zweier Frauen, das Erbe einer Familie.

Maria Nikolai ist die Autorin der Schokoladenvilla-Trilogie – Eine Familiensaga, die Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt und den Leser über die goldenen 20er hinweg bis nach New York 1936 führt.

Im ersten Band Die Schokoladenvilla reisen wir in das winterliche Stuttgart von 1903 und lernen Judith Rothmann kennen. Als Tochter eines bekannten Schokoladenherstellers entdeckt sie schnell ihre Liebe zum Unternehmen. Doch als junge Frau möchte ihr Vater Judith nicht in der Fabrik, sondern an der Seite eines vorteilhaften Mannes sehen. Hin und her gerissen zwischen Sehnsüchten und Verpflichtungen, flüchtet sie vor den Plänen ihres Vaters und direkt in die Arme des rätselhaften Victor Rheinbergers. Und als wäre das nicht genug, stellen ihre jüngeren Zwillingsbrüder Karl und Anton die Welt auf den Kopf. Hier könnt ihr meine vollständige Rezension zum ersten Band der Familiensaga lesen.

Im zweiten Band Die Schokoladenvilla – Goldene Jahre treffen wir die Protagonisten 1926 wieder. Gezeichnet durch die Kriegsjahre verändert sich die Stimmung, im Fokus stehen die Erinnerungen an alte Zeiten und die Hoffnung auf eine bessere und geordnete Zukunft. Neue Charaktere sorgen für Aufregung, Individualität, Humor und genüssliche Leidenschaften, die die aufregende Zeit der musikalischen 20er-Jahre prägen. Zudem steht die Existenz der Schokoladenfabrikanten-Familie auf dem Spiel. Der dritte Teil der Familiensaga, Zeit des Schicksals, erscheint am 12. Oktober 2020 und entführt seine Leser schließlich nach New York, 1936. Mit ihrem Debüt Die Schokoladenvilla, eine Mischung aus Liebe, Historie und Genusswelten, stand Maria Nikolai monatelang auf der Bestsellerliste.

Hallo Maria, danke, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst! Wollen wir gleich mal beginnen: Die Schokoladenvilla ist Dein Debüt als Maria Nikolai. Allerdings hast Du ja bereits vor der Schokoladenvilla Bücher veröffentlicht. Weißt Du denn noch, wie Deine aller ersten Schreibversuche ausgesehen haben?

Danke, ich freue mich, Marla :). Also als Kind habe ich viele Geschichten geschrieben und illustriert. Anschließend habe ich sie zusammengeheftet und mit einem schönen Cover gestaltet. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Da ist das heutige Bücherschreiben natürlich wesentlich anstrengender. 😀 Als Jugendliche bin ich dazu übergegangen, Liebesgeschichten auf der Schreibmaschine zu tippen. Dann habe ich schöne Bilder aus Zeitschriften ausgeschnitten und sie dazu geklebt. Die schriftstellerischen Ambitionen haben sich schließlich im Leben verloren und ich habe eine Ausbildung mit anschließendem Studium in BWL gemacht. Nachdem mein erstes Kind auf der Welt war und ich zuhause war, habe ich ein altes Tagebuch bzw. eine Biografie eines Urahnen gefunden und davon ein Transkript angefertigt. Aufgrund der alten Schrift hat das ziemlich lange gedauert, aber letztendlich war es mein erstes fertiggestelltes Manuskript. Ich habe daraus eine Erzählung mit Teilen des Originaldokuments geschrieben, die tatsächlich von einem kleinen kulturgeschichtlichen Verlag publiziert wurde. Das war dann mein erstes veröffentlichtes Buch.

Ah, das war ja auch schon historisch. Hast Du bisher immer in diesem Genre geschrieben?

Ja, das ist historisch. Der Urahne ist 1795 geboren und hat in napoleonischen Kriegen gekämpft. Das ist auch Teil der Erzählung geworden. Seither habe ich nur historische Bücher geschrieben. Ich lese auch am liebsten Historisches, egal, ob als Roman oder Sachbuch.

Wusstest Du bei der Schokoladenvilla von Anfang an, dass es drei Bücher werden sollen?

Nein, bei der Schokoladenvilla habe ich einfach (m)einen Schokoladenroman geschrieben. Es war erst nur ein Hobby. Als ich schließlich 80 Seiten hatte, habe ich mich bei den Literaturagenten beworben und als sie Die Schokoladenvilla tatsächlich verkauften, hatte ich schon geschrieben, dass es Ansätze für Folgebände gibt. Dann wurde es als Trilogie verkauft. Das hat sich sehr schnell ergeben, aber meine allererste Idee war nicht unbedingt eine Trilogie. Durch die verschiedenen Protagonisten in den unterschiedlichen Zeiten war es jedoch gut machbar. Es ist aber nicht ganz einfach, in den einzelnen Bänden in sich abgeschlossenen Spannungsbögen einzubauen, sodass es trotz allem eine Einheit ergibt.

Und wie fühlt es sich dann an, plötzlich auf der Bestseller-Liste zu stehen? Zu wissen, dass andere Leute Deine Bücher lesen und auch entsprechend bewerten, positiv und negativ?

Also mit der Bestseller-Liste gibt es eine ganz lustige Geschichte. Die Schokoladenvilla war am 08. Oktober 2018 erschienen und ein paar Tage später, am 12. Oktober, fuhr ich zu meiner ersten Lesung. Unterwegs habe ich auf Facebook gesehen, dass eine Freundin mich auf einem Bild markiert hatte. Auf diesem stand Die Schokoladenvilla im Bestseller-Regal einer Buchhandlung auf Platz 12. Ich kommentierte: „Oh, das ist ja toll, dass ihr das schon ins Bestseller-Regal einräumt. Ich bin zwar noch keine Bestellerin, aber ist ja gut, wenn ihr das dort hinstellt, dann wird es vielleicht einer.“ Und da diese Unterhaltung öffentlich war, antwortete eine Verlagskollegin: „Nein, nein, du bist auf der Bestseller-Liste, schau mal auf der Verlagsseite.“ Und als ich das gemacht hatte, habe ich festgestellt, dass ich tatsächlich auf Platz 12 der Bestseller-Liste war. Tja, das kam also mehr oder weniger von außen, dass ich das erfahren habe, am Tag der aller ersten Lesung.

Wow, das ist natürlich eine tolle Nachricht, so kurz vor der ersten Lesung der Schokoladenvilla! Bist Du denn vor Deinen Lesungen nervös?

Ne, ich habe schon vorher Lesungen gehalten, deswegen bin ich grundsätzlich gar nicht so nervös. Es macht sehr viel Spaß mit den Leserinnen und Lesern in Kontakt zu kommen, das ist etwas ganz besonders Schönes und etwas, was ich mindestens genauso sehr mag, wie das Schreiben selbst.

Um auf das Thema der Rezensionen zurückzukommen, ja, das ist ein zweischneidiges Thema. Da habe ich Glück, das die meisten meiner Rezensionen sehr schön sind und sich die Leute mitgenommen fühlen. Ich empfinde das als ein großes Privileg, wenn meine Geschichten die Menschen berühren, es ist das schönste für jeden Autor. Diese Nähe herzustellen oder Fantasiewelten zu schaffen, wo sich ganz viele Menschen treffen, von überall auf der Welt. Die negativen Rezensionen, ja, die ersten Male sind bitter, weil man sich manchmal fragt, ob diese Person tatsächlich das eigene Buch gelesen hat. Es ist so, mit 1- und 2-Sterne-Rezensionen lernt man zu leben, das ist nun mal das, was bei den meisten Autoren unvermeidlich ist. Wenn jemandem die Geschichte nicht gefällt, okay. Es ist klar, dass nicht jedem alles und jeder Schreibstil zusagt. Eine Geschichte aber zu verwerfen und ausfallend zu werden, da möchte ich als Autor schon handfeste Gründe haben. Inzwischen kann ich gelassen damit umgehen. Die große Mehrzahl der Rezensionen ist sehr positiv.

Das ist es auf jeden Fall! Wahrscheinlich distanziert man sich mit der Zeit auch von Rezensionen, die überhaupt nicht begründet sind.

Ja, genau. Inzwischen lese ich die auch gar nicht mehr. Am Anfang ist das Buch wie ein Baby, man hat unglaublich viel investiert und wirklich alles getan, dass es gut ist, und meint auch Ahnung von seinen Büchern zu haben. Aber es ist so, man kann die 1- bis 2-Sterne-Rezensionen nicht verhindern, es gehört dazu und deswegen habe ich da meinen Frieden gemacht. Was ich mir allerdings immer mal ansehe, sind die 3-Sterne-Rezensionen. Manchmal ist dort klar gemacht, was dem Leser nicht so gut gefallen hat. Das ist interessant und damit kann man selbst auch besser werden.

Versuchst Du diese Kommentare dann anzunehmen? Also positive Bewertungen in zukünftige Projekte einzubauen?

Eher unbewusst. Natürlich merkt man, wenn bestimmte Sachen funktioniert haben. Diese verwendet man dann wieder, allerdings tauche ich im Schreibprozess so stark in die Welten ab, dass ich das nicht mehr so präsent habe. Aber eine stimmige Geschichte entstehen zu lassen, ist auch eine gemeinsame Arbeit mit dem Lektorat und vielen Kollegen.

Ja, das stimmt. Und wenn Du während des Schreibens so in die Welt deiner Bücher und deren Zeiten eintauchst, fällt es Dir schwer wieder in das 21. Jahrhundert zurückzukehren? Was machst Du, um wieder ins Hier und Jetzt zurückzukommen?

Dafür sorgt meine Tochter :D. Also ich kann sehr gut switchen und diese Welten sehr schnell wechseln. Ich bin während des Schreibprozesses schon manchmal in meinem Tunnel, einfach, um die Ideen nicht zu verlieren, aber mir fällt auch das Auftauchen nicht schwer, weil ich sehr gerne im Hier und Jetzt lebe. Also sollte irgendwann vielleicht mal ein Buch von mir verfilmt werden, würde ich gerne in einem schönen Kleid durchs Bild spazieren und ein bisschen die historischen Zeiten nachspüren. Letztendlich sind es meine Kinder, die mich (immer noch) fordern. Wir leben ja auch hier in einem Haushalt, Corona-Deutsch :D. Aber das sind am Ende des Tages die wichtigsten Dinge.

Das ist eine schöne Antwort, danke. Hast Du etwas das Dich beim Schreiben besonders ablenken kann?

In dem Sinne nicht, das ist dann eher das geistige, wenn die Erschöpfung einsetzt. Was ich eher schwierig finde ist, dass man sich gerne ablenken lässt. Das Schreiben ist halt einfaches Sitzen und am Schreibtisch konzentriert arbeiten. Da kennt jeder die Prokrastination und macht plötzlich wahnsinnig gerne die Wäsche. Zu Schreiben ist einfach auch eine große Fleißarbeit.

Das stimmt! Das kenne ich selbst von eignen kleineren Schreibprojekten. 🙂 Um diesen ersten Part des Interviews zu beenden, möchte ich Dir gerne noch eine letzte Frage stellen: Was wäre denn das schönste Kompliment, das man Dir zu Deinen Büchern machen kann?

Dass sie einen emotional mitnehmen, dass man die Umwelt vergisst und die Bilder deutlich vor Augen hat. Manchmal bekomme ich gesagt, dass die Leute beim Lesen einen Film sehen und ich eine sehr bildhafte Art zu schreiben habe. Das scheint sich auch durch die Übersetzungen nicht zu verändern. Ich habe da auch aus Italien und Spanien sehr positive Rückmeldungen bekommen. Was natürlich auch sehr schön ist und mich sehr berührt ist, wenn Leser schreiben, dass das Buch ihnen aus einer schwierigen Situation geholfen hat, einfach indem es einen auf andere Gedanken bringt. Eine Leserin schrieb mir mal, dass Die Schokoladenvilla ihre Liebe zum Lesen wieder geweckt hat. Das ist ein echtes Privileg, das man mehr schafft, als den Menschen nur zu unterhalten, sondern sie auch zu berühren.

Bei mir hast du das auf jeden Fall geschafft. Danke für Deine schönen Worte und die Zeit für das Interview, Maria!

Bald geht es dann in Part 2 weiter mit dem Autorentalk mit Maria Nikolai. Es wird mehr um die Hintergründe der Schokoladenvilla und wie es überhaupt zu der Idee gekommen ist, gehen. Wenn ihr den zweiten Teil auf keinen Fall verpassen wollt, dann abonniert meinen Blog oder folgt mir auf Instagram unter mugglemarla_reads. Im gleichen Rutsch müsst ihr unbedingt bei Maria vorbeischauen!

3 Kommentare zu „Interview mit Maria Nikolai I

  1. Pingback: River of Violence

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: